Stenografen-Verein Goslar E. V.

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Aus den Vereinsmitteilungen


 Mai/Juni 2017

    Ehrenamt     Deutsche Meisterschaften      Stadtmeisterschaften     Nichtwissen     
          Nostalgie     Vertrauen     Nachruf      

Ehre, wem Ehre gebührt!

Dieses leicht abgewandelte Zitat von Apostel Paulus im neuen Testament dient im heutigen Sprachgebrauch dazu, besondere Anerkennung und Hochachtung auszudrücken. Und nicht selten ist es die Reaktion auf eine aus zu großer Bescheidenheit erfolgte Zurückweisung einer Ehrung oder die Bestätigung einer im besonderen Maße verdienten Ehrung.

Es gibt in unserer Zeit keine Sache, keine Person, keine Situation, die dieser Ehre nicht würdig ist, auch wenn unterschiedliche Stimmung mitschwingt. Schon Arthur Schopenhauer sagte: „Die Ehre ist - objektiv - die Meinung anderer von unserem Wert und - subjektiv - unsere Furcht vor dieser Meinung.“ – Und noch schärfer formulierte Salomo in seinen Sprüchen: „Ehe man zu Ehren kommt, muss man zuvor leiden.“ Vielerlei Wortgebilde wie Ehrendienst, Ehrenmal, Ehrenpreis, Ehrfurcht, Ehrgeiz und andere spiegeln ein gewisses Missverhältnis wider.

Nur bei Ehrenamt ist die Auslegung klar; denn dieser Begriff zeigt von seiner Zusammensetzung her, was nun was nach sich zieht, und wo denn wohl Einsatz bzw. Ergebnis zu suchen sind. Dabei können mögliche „Leiden“ durchaus endlos sein, wenn Pflicht- und Verantwortungsgefühl nicht das erhoffte Echo auslösen. Über dieses Wechselbad der Gefühle könnten wir immer wieder lamentieren, was jedoch nicht so recht hilft, weil die vermeintliche Ehre sich hinter der Bescheidenheit verbirgt. Eine Anerkennung und Aufmunterung haben dort kaum Sinn, wo die Routine das Feld bestellt hat … in aller Ehre.

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Komprimat

Laut Duden steht dieses Fremdwort für Zusammengefasstes, Zusammengepresstes. Was aber soll nun dieses hier an dieser Stelle? Ausgerichtet ist dieser Begriff auf die

Deutschen Meisterschaften
am 25. bis 27. Mai in Suhl/Thüringen

Nicht neu ist, dass bei diesem Wettschreiben der Deutsche Stenografenbund alle gängigen Wettbewerbe – Kurzschrift deutsch/englisch, Text­erstellung mit Schnell-/Perfektionsschreiben, Textbearbeitung, Professio­nelle Textverarbeitung – auslobt und seine Meister in den drei Altersklassen ermittelt – sowohl im Einzel wie in den Mannschaften.

Noch keinesfalls zur Routine gehört dagegen, dass nicht nur alle Disziplinen unter einem Dach durchgeführt werden, sondern dass auch Logis und Unterkunft sowie sämtliche geselligen Veranstaltungen in einem großen Hotel stattfinden können. Diese wünschenswerte und von allen Teilnehmern hochgelobte Lösung soll in erster Linie personellen und auch Kostenproblemen entgegenwirken. Nicht alle großen Hotels können allerdings die räumlichen Anforderungen erfüllen. – Und daher ist jeder Hinweis, jede Empfehlung für unsere Organisation hilfreich und wird grundsätzlich dankbar entgegengenommen.

Unseren neun Wettschreiber/innen und vier Begleitern dürfen auch in diesem Jahr kräftig die Daumen gedrückt werden … für gute Ergebnisse und vielleicht den einen oder anderen Treppchenplatz bzw. für eine unbeschadete Rückkehr. 2016 mit Kalkar wird nicht zu toppen sein; aber vertrauen wir auf unsere schnellen Schreiber

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Ehrgeiz und Fleiß

Diese Verbindung kennen und kommentieren wir immer wieder gern, wenn sie sich in besonderen Leistungen und Ergebnissen ablesen lässt. In den Tagen vor und am 25. März selbst erfreuten uns unsere Cracks am Block und an der Tastatur bei den diesjährigen Stadtmeisterschaften einmal mehr sehr eindrucksvoll mit einem Leistungsniveau, das viele Stenovereine im weiten Land nur neidvoll registrieren können.

„Spitze topp – Breite hopp!“ Dieses Fazit stimmt immer mehr und nun sehr deutlich auch in der 51. Auflage unseres stadtoffenen Frühjahrswettschreibens: Doch noch 13 Stenografen, 12 Tastschreiber und 8 Text­bearbeiter, also insgesamt gegenüber Vorjahr ein Drittel weniger; von den 172 Startern in zwei Disziplinen bei Beginn im Jahr 1966 hält eh nur noch die Erinnerung.

Die „GZ“ berichtete am 12. April(!) überraschend ausführlich über unseren lokalen Jahreshöhepunkt und damit über die meist souveränen Titelverteidigungen von

Wolfgang Groth in Kurzschrift mit 400 Silben/Note gut,

Martina von der Eltz in Texterfassung mit 536 Anschlägen/sehr gut (Schnell-) bzw. 464 Anschlägen (Perfektionsschreiben)
und auch in Textbearbeitung mit 154 Korrekturen/gut.

Die besten Leistungen bei den Jugendlichen zeigten

Joshua Beck in Texterfassung mit 375 Anschlägen/sehr gut

Niklas Warnecke in Textbearbeitung mit 124 Korrekturen/sehr gut

sowie bei den Schülern

Robin Rönnecke mit 268 Anschlägen/gut sowie 63 Korrekturen/gut, - sämtliche Leistungen in der Meisterklasse -.

In dieser Reihenfolge werden demzufolge auch die Wanderpreise der Stadt Goslar, des Aus- und Weiterbildungszentrums der NVHS, der Wohltmann-Cup, der Grauhofpreis sowie ein Ehrenpreis aus dem Vereinsfundus vergeben wie darüber hinaus an Ute Haberkorn (175 Silben/sehr gut), Inge Biedermann (110 Silben/sehr gut) und Detlef Student (240 Anschläge/gut). Die Auszeichnungen überreichen wir in unserer Steno-Tea-Time am 29. April, gratulieren jedoch schon auf diesem Wege.

Erfreulich an diesen Stadtmeisterschaften ist, dass kein(e) Wettschreiber/in ohne Ergebnis, also ohne Urkunde bleibt. Neben den Genannten sind dies noch Frank Büttner (mit 400 Silben nur um vier Punkte geschlagen), Martina von der Eltz (325 Silben), Hella Hobbie (300 Silben), Regina Groth (240 Silben), Andreas Tesch (160 Silben), Doris Weerts (160 Silben) und Astrid Ghaly (160 Silben) in Kurzschrift bzw. Birgit Müller im Tastschreiben.

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Nichtwissen

Einem Wochenmagazin entnehmen wir folgenden Bericht eines bekannten Kabarettisten:

Schätzungen zufolge sind 90 Prozent aller Daten, die derzeit auf diesem Planeten existieren, in den letzten zwei Jahren entstanden. Inzwischen hat ein Massai-Krieger mit seinem Smartphone mehr Zugang zu Informationen als der amerikanische Präsident vor 15 Jahren.

Das Problem: Zwar nimmt unser Wissen zu, aber die Diskrepanz zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir zu wissen glauben, ebenfalls. Denn im Netz geistert bekanntlich eine Menge Schwachsinn herum. Googeln Sie mal nach Studien, deren Ergebnisse Ihrer persönlichen Meinung entsprechen. Sie werden sich wundern.

Mit dem angeblichen Wissen wächst außerdem das Nichtwissen an. Denn in der Wissenschaft tauchen mit jedem gelösten Problem Dutzende weitere Fragen auf. Eine Google-Anfrage mit dem Stichwort „Nichtwissen“ ergibt 1,7 Millionen Treffer. „Wissen“ liefert 220 Millionen Treffer. Dabei ist unser Nichtwissen um ein Vielfaches größer als unser Wissen. Doch genau das können die smarten Jungs vom Silicon Valley nicht abbilden.

Wertvolle Informationen sind im Gros der Daten immer schwieriger zu bekommen. Mit dem Umfang der Datenmenge wächst parallel das Rauschen und überstrahlt das eigentliche Signal. Oder, wie es mein Opa formulierte: Je größer der Heuhaufen, desto schlechter findest du die Magd.

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Nostalgie

Wir sind wieder bei einem unserer liebsten Themen: deutsche Sprache. Ja, es gibt ihn, den Tag der deutschen Sprache, den 13. September, an dem unserer Muttersprache gedacht werden soll sowie der vielen alten Begriffe, die vom Aussterben bedroht sind. Dieser Tag weist allerdings auch darauf hin, dass eine Sprache nicht ohne Grammatik und Orthografie funktionieren kann. „Besser als wie die anderen“ als nachlässige Floskel hat wie vieles andere die verschiedenen Phasen wohl überstanden; es ist daher auch nicht unbedingt ein Beweis für Wandel. Andererseits kann ein Tag ohne „Denglisch“ eigentlich doch ganz gut funktionieren, wobei „Laptop“ inzwischen seinen festen Platz hat im Gegensatz zu „coolen“, „hippen“, „chillen“ und vielen weiteren Wörtern.

Beim Vergleich unserer Sprache über die letzten 40, 50 Jahre vor allem in den Printmedien offenbart sich eine Veränderung: Berichte sollen nicht mehr alleine informieren, sie formulieren auch eine eigene Meinung, um Sinn und Zweck des Anlasses zu beeinflussen. Man kommt zu dem Eindruck, dass der Ton weicher geworden sei. Dem steht jedoch entgegen, dass schöne alte Begriffe wie Humbug, Umtrunk, Lichtbildervortrag, Mätresse, Mumpitz, Naseweis, Backfisch, Hasenbrot und viele, viele andere mit ihrem Charme aussagefähiger waren als beispielsweise Mist, Besäufnis, Diashow, Prostituierte usw. Selbst das Fluchen und Beleidigen fällt charmanter aus mit „verhohnepipeln“ als mit „vera…“.

Wer sich mit diesem Thema auseinandersetzt, kommt eigenartigerweise – entgegen der Realität – immer wieder zu der Erkenntnis, dass Deutsch eine Sprache ist, die wir pflegen und lieben, patriotisch verwenden sollten … mit Beachtung von Rechtschreibung, Sprachlehre, Zeichensetzung.

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Vertrauen

Dies ist wohl ein sehr wichtiges Element im Dasein jeder Kreatur. Bei uns Menschen, also in der zivilisierten Gesellschaft, gibt es wahrscheinlich keinen Lebensbereich, wo nicht Vertrauen als entscheidende Grundlage jede Entwicklung beeinflusst: In der Partnerschaft, im Beruf, in persönlichem Befinden wie im Geschäftsleben, überall wird jede Planung bzw. Maßnahme von diesem getragen, nicht zuletzt vorrangig und nachhaltig auch in der Politik … rein theoretisch.

In den schon mehrfach zitierten „Informationen in leichter Sprache“, der Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, wird in umfangreicher Form auf dieses Thema eingegangen, das Vertrauen gegenüber den Politikern und den Medien. Auch wenn in unserer Demokratie grundsätzlich die Menschen bestimmen, was in Deutschland passieren soll, stellen wir seit Langem fest, dass Welten zwischen dem liegen, was Politiker vor einer Wahl alles ankündigen, und dem, was an Versprechen nicht gehalten wird. Und diese Diskrepanz führt zur hinlänglich bekannten Vertrauenskrise, die anderen Parteien Geltung verschafft bzw. unzufriedene Wähler hervorruft und abschreckt, beides nicht von Vorteil für unsere Demokratie.

Zur Behebung einer Vertrauenskrise gibt es verschiedene Ideen, zum Beispiel die der Volksbefragung, die mangels Wissen über die Politik kaum gute Entscheidungen finden wird. Mehr mit den Menschen reden könnte da doch mehr bewirken.

Einen konträren Einfluss haben hierbei zweifelsohne die Medien (Zeitungen, Fernsehen, Rundfunk, Internet), die uns zunächst mit Nachrichten über die Geschehnisse in der Welt informieren. Die negative Seite der Medaille ist allerdings, dass die benötigten guten Infos zu kurz kommen, so also auch kein Vertrauen aufgebaut wird, dass der Mensch somit die Meldungen oder vielleicht sogar Gerüchte nicht ernst nimmt.

Wie soll Vertrauen also entstehen, wenn all diese kleinen oder elementaren Fehler verhindern, dass dieses als wichtige Grundlage für eine Demokratie gegenüber Politikern und Medien einfach fehlt.

Die Erkenntnis aus dieser umfangreich, aber „leicht“ erklärten Problematik kann nur lauten, in den zu beeinflussenden Bereichen unabhängig und eigenständig eigene Interessen und Vorstellungen zu vertreten, das heißt statt über empfundene Bevormundungen zu lamentieren selbst die Ärmel hochzukrempeln: Aktion statt Reaktion!

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Nachruf

Unser ältestes Vereinsmitglied ist nicht mehr unter uns, wobei festzuhalten ist, dass wir sie als einzige nie persönlich kennenlernen durften … in 45 Jahren Vereinsführung. Elisabeth Reidick, geboren am 25.08.1918, sehr früh an den Niederrhein nach Wesel verzogen, ist seit ihrem Eintritt am 16.10.1951 unserem Verein bis zum Ende ihrer Tage treu geblieben, hat vermutlich über die regelmäßigen Informationen am Wohl und Wehe teilgenommen. Dies ist nach zwischenzeitlichen Phasen der Unsicherheit beruhigend. Und die Tatsache, dass sie 98 Jahre alt werden durfte, bestätigt die Annahme, dass sie ihr Leben gelebt und nun ihren Seelenfrieden verdient hat.

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Zuletzt aktualisiert: 02.05.2017

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